StartRatgeberTracergas-Leckortung
DIN EN 1779 · DVGW W 393

Tracergas-Leckortung — Wasserstoff-Spürgas für versteckte Lecks

Wenn Thermografie nicht reicht: Formiergas 95/5 findet Lecks unter Estrich, in Wänden und Gartenleitungen.

Kurzfassung: Tracergas-Leckortung mit Formiergas 95/5 (95% Stickstoff + 5% Wasserstoff) findet Lecks in nicht zugänglichen Leitungen. Gas wird drucklos eingespeist, entweicht durch das Leck, wird mit Wasserstoff-Detektor (z. B. Sensistor) lokalisiert. Genauigkeit ±5-15 cm. Kosten 400-1.500 €. Versicherung erstattet nach § 14 VGB 2022.

Wie funktioniert Tracergas-Verfahren?

Das Prinzip: Wasserstoff ist das kleinste Molekül und entweicht durch jede noch so kleine Undichtigkeit. Wird einem inerten Trägergas (Stickstoff) ein kleiner Wasserstoff-Anteil beigemischt (5%), so kann man durch Spürdetektoren genau dort messen, wo das Gas austritt.

Vorgehen Schritt für Schritt:

  1. Leitungs-System entwässern und drucklos machen.
  2. Tracergas einspeisen über vorhandene Zapfstelle (Wasserhahn, Anschluss-Adapter). Druck typisch 0,2-0,5 bar.
  3. Detektor-Suche: mit Wasserstoff-Detektor (Sensistor, INFICON) entlang vermuteter Leitungs-Verläufe. Das Gas wandert vom Leck durch poröse Materialien wie Putz oder Estrich-Dämmung.
  4. Pin-Punkt-Lokalisierung: Detektor zeigt maximale Konzentration genau über dem Leck.
  5. Gas ablassen + Schadensstelle freilegen für Reparatur.

Anwendungsbereiche — wann Tracergas einsetzen

  • Lecks unter Estrich — Thermografie versagt hier oft (Dämmschicht puffert).
  • Wand-Lecks ohne Temperatur-Anomalie — z. B. trockenes Leck zwischen Schadens-Ereignissen.
  • Gartenleitungs-Lecks — vermeidet Aufgraben großer Flächen.
  • Heizungs-Verteilungs-Lecks — auch in Fußbodenheizungen lokalisierbar.
  • Gas-Leitungs-Lecks (zertifizierte Anwendung nach DVGW W 393).

Kosten-Detail

  • Standard-Wohnung 1 Leck: 400-700 € (Anfahrt + Untersuchung)
  • Mehrere Verdachts-Stellen: 700-1.500 €
  • Gartenleitung: 600-1.200 €
  • Aufwändig (Mehrfamilienhaus, Stockwerk-übergreifend): 1.000-2.500 €
  • Sachverständigen-Gutachten zusätzlich: +500-1.000 €

Bei Wasserschaden: Erstattung über Gebäudeversicherung nach § 14 VGB 2022. Wichtig: Sachverständiger sollte zertifiziert sein (DIN EN 1779, DVGW-anerkannt) — sonst akzeptiert Versicherer das Gutachten oft nicht.

Sicherheit bei Tracergas-Anwendung

Formiergas 95/5 ist ungefährlich:

  • Wasserstoff-Anteil 5% liegt unter der unteren Explosionsgrenze (4-75% in Luft).
  • Stickstoff-Träger verdünnt schnell in der Raumluft — keine Anreicherung.
  • Geruchsneutral, ungiftig.
  • Heliem-Stickstoff-Mischungen ebenfalls sicher (Edelgas, inert).

Trotzdem: nur Profis mit zertifizierter Ausrüstung. Bei DIY-Versuchen mit Industriegas-Flaschen drohen Druckunfälle.

Tracergas vs. Thermografie — wann was?

  • Thermografie: schnell, günstig, gute Wahl bei Wasser-führendem Schaden in beheizten Räumen.
  • Tracergas: teurer, aber funktioniert bei trockenen Lecks, unter Estrich, in dicker Dämmung, im Außenbereich. Höchste Genauigkeit für „versteckte" Lecks.

Oft kombinieren Profis beide: Thermografie als erste Übersicht, Tracergas zur Pin-Punkt-Lokalisierung.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Tracergas?
Tracergas ist ein chemisch inertes Spürgas, das zur Lecksuche in Wasserleitungen, Gasleitungen oder Abwasserrohren verwendet wird. Standard ist „Formiergas 95/5" — 95% Stickstoff + 5% Wasserstoff. Wasserstoff ist das kleinste Molekül und entweicht durch jede Undichtigkeit. Spezialdetektoren registrieren Wasserstoff-Konzentration ab 0,2 ppm. Alternativ: Helium-Stickstoff-Gemische für sehr feine Lecks.
Wann ist Tracergas das richtige Verfahren?
Bei Lecks in nicht zugänglichen Leitungen: unter Estrich, in Wand-Hohlräumen, in der Gartenleitung. Vor allem wenn Thermografie nicht funktioniert (zu dicke Dämmung, trockene Leckstelle). Tracergas wird ins drucklose Leitungssystem eingelassen, entweicht durch das Leck und wird an der Oberfläche mit einem Detektor lokalisiert. Genauigkeit: typisch ±5-15 cm.
Was kostet Tracergas-Leckortung?
Anfahrt + 1 Leck-Suche: 400-700 €. Bei mehreren Suchstellen oder aufwändigem Aufbau: 700-1.500 €. Bei Gartenleitung-Lecks (unter Erde): 600-1.200 € — meist günstiger als Aufgraben. Bei versichertem Schaden trägt Gebäudeversicherung Kosten nach § 14 VGB 2022 als Schadenermittlungs-Kosten.
Ist Tracergas gefährlich?
Formiergas 95/5 (5% H₂) ist sicher: unterhalb der Wasserstoff-Explosionsgrenze (4% in Luft). Geruchsneutral, ungiftig, nicht entzündbar. Anders bei reinem Wasserstoff oder Erdgas — daher: nur zertifizierte Formiergas-Behälter verwenden. Helium-Gemische sind ebenfalls sicher (Edelgas, inert).
Wie genau ist die Lokalisierung?
Bei optimalen Bedingungen ±5-15 cm. Auf Estrich-Untergrund mit Hohlraum-Dämmschicht: ±10-30 cm (das Gas wandert horizontal). Bei sehr engen Wand-Hohlräumen: ±5 cm möglich. Im Außenbereich (Gartenleitung): ±20-50 cm wegen Erdreich-Diffusion. Daher: Tracergas lokalisiert, dann erfolgt zielgerichteter Aufriss.
Welche Detektoren werden verwendet?
Standard: Sensistor ISH2000, INFICON H-Guard, Roper Pump LD-1. Diese Wasserstoff-Detektoren haben Halbleiter- oder Elektrochemische-Sensoren mit Nachweisgrenze 0,2-1 ppm. Profi-Geräte zeigen Konzentration in Echtzeit + Trend-Anzeige für Lokalisierungs-Optimierung. Sachverständige nach DIN EN 1779 arbeiten ausschließlich mit zertifizierten Geräten.

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