Wie funktioniert Tracergas-Verfahren?
Das Prinzip: Wasserstoff ist das kleinste Molekül und entweicht durch jede noch so kleine Undichtigkeit. Wird einem inerten Trägergas (Stickstoff) ein kleiner Wasserstoff-Anteil beigemischt (5%), so kann man durch Spürdetektoren genau dort messen, wo das Gas austritt.
Vorgehen Schritt für Schritt:
- Leitungs-System entwässern und drucklos machen.
- Tracergas einspeisen über vorhandene Zapfstelle (Wasserhahn, Anschluss-Adapter). Druck typisch 0,2-0,5 bar.
- Detektor-Suche: mit Wasserstoff-Detektor (Sensistor, INFICON) entlang vermuteter Leitungs-Verläufe. Das Gas wandert vom Leck durch poröse Materialien wie Putz oder Estrich-Dämmung.
- Pin-Punkt-Lokalisierung: Detektor zeigt maximale Konzentration genau über dem Leck.
- Gas ablassen + Schadensstelle freilegen für Reparatur.
Anwendungsbereiche — wann Tracergas einsetzen
- Lecks unter Estrich — Thermografie versagt hier oft (Dämmschicht puffert).
- Wand-Lecks ohne Temperatur-Anomalie — z. B. trockenes Leck zwischen Schadens-Ereignissen.
- Gartenleitungs-Lecks — vermeidet Aufgraben großer Flächen.
- Heizungs-Verteilungs-Lecks — auch in Fußbodenheizungen lokalisierbar.
- Gas-Leitungs-Lecks (zertifizierte Anwendung nach DVGW W 393).
Kosten-Detail
- Standard-Wohnung 1 Leck: 400-700 € (Anfahrt + Untersuchung)
- Mehrere Verdachts-Stellen: 700-1.500 €
- Gartenleitung: 600-1.200 €
- Aufwändig (Mehrfamilienhaus, Stockwerk-übergreifend): 1.000-2.500 €
- Sachverständigen-Gutachten zusätzlich: +500-1.000 €
Bei Wasserschaden: Erstattung über Gebäudeversicherung nach § 14 VGB 2022. Wichtig: Sachverständiger sollte zertifiziert sein (DIN EN 1779, DVGW-anerkannt) — sonst akzeptiert Versicherer das Gutachten oft nicht.
Sicherheit bei Tracergas-Anwendung
Formiergas 95/5 ist ungefährlich:
- Wasserstoff-Anteil 5% liegt unter der unteren Explosionsgrenze (4-75% in Luft).
- Stickstoff-Träger verdünnt schnell in der Raumluft — keine Anreicherung.
- Geruchsneutral, ungiftig.
- Heliem-Stickstoff-Mischungen ebenfalls sicher (Edelgas, inert).
Trotzdem: nur Profis mit zertifizierter Ausrüstung. Bei DIY-Versuchen mit Industriegas-Flaschen drohen Druckunfälle.
Tracergas vs. Thermografie — wann was?
- Thermografie: schnell, günstig, gute Wahl bei Wasser-führendem Schaden in beheizten Räumen.
- Tracergas: teurer, aber funktioniert bei trockenen Lecks, unter Estrich, in dicker Dämmung, im Außenbereich. Höchste Genauigkeit für „versteckte" Lecks.
Oft kombinieren Profis beide: Thermografie als erste Übersicht, Tracergas zur Pin-Punkt-Lokalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Weiterführende Ratgeber
- → Leckortung — Komplett-Guide
- → Thermografie-Leckortung
- → Endoskopie-Leckortung
- → Verfahrens-Vergleich (Tool)
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